Glossar

Hohlschaftkegel

Der Hohlschaftkegel (HSK) ist eine Werkzeugschaftform nach DIN 69893, bei der ein kurzer Hohlkegel und eine Plananlage gleichzeitig formschlüssig in die Spindel greifen. Die Doppelpassung ergibt höhere Biegesteifigkeit und Wechselgenauigkeit als klassische Steilkegelschaft-Systeme.

Hohlschaftkegel: Funktionsprinzip und Entstehung

Der Begriff Hohlschaftkegel beschreibt die geometrische Grundform des HSK-Systems: Der Werkzeugschaft ist als Hohlkegel ausgeführt, d.h. der Kegelschaft ist dünnwandig und innen hohl. Genau diese Eigenschaft ermöglicht das zentrale Spannelement des Systems: ein Spreizsegment oder Spanndorn, der sich im Inneren des hohlen Schafts aufweitet und die Klemmung von innen nach außen aufbaut.

Das System wurde in den späten 1980er-Jahren an der RWTH Aachen entwickelt und in den frühen 1990er-Jahren als DIN 69893 genormt. Die internationale Entsprechung ist ISO 12164.

Geometrie und Spannprinzip

Der Hohlschaftkegel verwendet einen 1:10-Kurzkegel, deutlich steiler als der 7:24-Kegel des Steilkegels. Die Geometrie ist so ausgelegt, dass beim Einziehen des Werkzeugs in die Spindel zwei Kontaktflächen gleichzeitig anliegen müssen:

  1. Kegelkontakt: Der Hohlkegel zentriert das Werkzeug radial in der Spindelbohrung.
  2. Plananlage: Die Stirnfläche des Werkzeugflansches liegt bündig an der Spindelnase an.

Diese simultane Doppelpassung ist der entscheidende Unterschied zum Steilkegel, bei dem nur die Kegeloberfläche anliegt. Die Plananlage verhindert axiale Verlagerungen und erhöht die Biegesteifigkeit des gespannten Werkzeugs erheblich.

Fliehkraftunterstützung bei hohen Drehzahlen

Bei steigender Drehzahl wirken Fliehkräfte auf die Spannsegmente. Beim HSK-System ist die Geometrie so gestaltet, dass die Fliehkraft die Spannsegmente radial nach außen drückt, was die Klemmung im Hohlkegel verstärkt. Im Gegensatz dazu weitet sich beim Steilkegel die Spindelbohrung durch Fliehkraft auf, was die Klemmung schwächt und das Werkzeug axial verlagert.

Das macht den Hohlschaftkegel zur bevorzugten Schnittstelle für Hochdrehzahl-Spindeln oberhalb von 10.000 min⁻¹.

Normvarianten

DIN 69893 kennt mehrere Formen des Hohlschaftkegels:

FormMerkmal
HSK-AInnenkühlkanal, Mitnehmernuten, automatischer Wechsel
HSK-BWie A, aber ohne Innenkühlkanal
HSK-CManueller Wechsel, kurze Bauform
HSK-EHohe Drehzahl, kompakt, kein automatischer Wechsel
HSK-FManuell, Schleifspindeln

Praxisbezug zur Spindelreparatur

Der Hohlschaftkegel stellt an die Spindelnase höhere geometrische Anforderungen als der Steilkegel, weil Kegel und Plananlage gemeinsam innerhalb enger Toleranzen stimmen müssen. Verschlissene oder beschädigte Planflächen, Kratzer im Konus oder Maßabweichungen durch frühere Reparaturen können die Doppelpassung und damit die gesamte Spannqualität kompromittieren.

Bei der Spindelüberholung wird die Spindelnase deshalb grundsätzlich vermessen. Abweichungen jenseits der DIN-Toleranz machen eine Nacharbeit der Anlageflächen erforderlich, bevor die Lagerüberholung überhaupt sinnvoll ist. Mehr dazu unter Spindelreparatur.

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