Glossar
Der Spindelkonus ist die kegelförmige Innengeometrie an der Spindelnase, in die der Werkzeughalter eingesetzt wird. Er stellt die kraftschlüssige und formschlüssige Verbindung zwischen Spindel und Werkzeugaufnahme her und ist der primäre Sitz für die Übertragung von Drehmoment und Radialkräften.
Der Spindelkonus ist die kegelförmige Hohlbohrung an der Spindelnase, in die der Werkzeughalter eingesetzt und gespannt wird. Er ist die mechanische Verbindungsstelle, über die alle Kräfte zwischen rotierender Spindel und Werkzeug übertragen werden: Drehmoment, Radialkräfte aus dem Schnitt, Axialkräfte beim Bohren und Gewindeschneiden.
Die Kegelform erfüllt dabei eine physikalische Funktion: Durch den Kegel zentriert sich der Werkzeughalter beim Einsetzen selbsttätig, und die Spannkraft des Werkzeugspanners zieht den Werkzeughalter tiefer in den Kegel, was die Haftreibung erhöht.
Es gibt mehrere genormte Kegelsysteme für Werkzeugmaschinen. Die wichtigsten im deutschen und europäischen Markt:
HSK (Hohlschaftkegel), nach DIN 69893: Moderneres System mit kurzem, hohlem Kegel und Plananlage. Der Werkzeughalter stützt sich sowohl am Kegel als auch an der Planfläche der Spindelnase ab, was höhere Steifigkeit und bessere Wiederholgenauigkeit als beim Steilkegel ergibt. Übliche Größen: HSK-A63 (häufigste Größe im Bearbeitungszentrum), HSK-A100 für größere Maschinen, HSK-E für Hochdrehzahlspindeln.
Steilkegel (SK), nach DIN ISO 7388-1 (ehem. DIN 69871): System mit 7:24-Kegel ohne Plananlage. Der Werkzeughalter sitzt nur am Kegel. Übliche Größen: SK40, SK50. BT40 und BT50 sind die japanische MAS-403-Norm (BT) mit identischem Kegelwinkel, aber unterschiedlichem Flansch.
Capto (Sandvik, ISO 26623): Polygonales Kegelsystem, hauptsächlich in der Drehbearbeitung und bei modularen Werkzeugsystemen.
Die Geometrie des Spindelkonus bestimmt direkt den Rundlauffehler am Werkzeug. Formfehler im Konus, insbesondere:
addieren sich zum Rundlauffehler der Spindel selbst und können auch eine perfekt gewuchtete Spindel im Endresultat verschlechtern.
Der Spindelkonus ist verschleißgefährdet durch:
Fretting: Mikrobewegungen zwischen Konus und Werkzeughalter im Betrieb, besonders bei unzureichender Spannkraft. Erzeugt charakteristische rotbraune Korrosionsspuren (Fretting-Korrosion, sogenannte Passungsrost).
Eindrücke durch Fremdkörper: Späne oder Schmutz, die beim Werkzeugwechsel in den Konus gelangen, hinterlassen Eindrücke in der Lauffläche.
Kollisionsschäden: Bei Maschinenkollisionen werden hohe Kräfte über den Spindelkonus eingeleitet. Das kann zu plastischer Verformung oder Rissen führen.
Eindrücke und Oberflächenfehler im Spindelkonus lassen sich in vielen Fällen durch Nachschleifen beheben. Nach der Instandsetzung wird der Konus mit einem Kegelprüfdorn nach DIN vermessen, um Kegelwinkel und Formgenauigkeit zu bestätigen. Bei weitergehenden Schäden gibt eine vollständige Spindelreparatur Aufschluss über die wirtschaftlich sinnvollste Vorgehensweise.
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