Glossar

Axialspiel

Das Axialspiel bezeichnet die messbare Verschiebbarkeit der Spindelwelle in Richtung der Drehachse (Längsrichtung) bei gegebener Lagerung. In Präzisionsspindeln ist das Axialspiel ein zentrales Qualitätsmerkmal: Erhöhtes Axialspiel führt zu Tiefen- und Maßfehlern beim Bohren, Fräsen und Gewindeschneiden.

Axialspiel: Definition

Das Axialspiel einer Spindel ist die Strecke, um die sich die Spindelwelle in Längsrichtung verschieben lässt, wenn eine definierte Axialkraft aufgebracht und dann umgekehrt wird. Es ist die axiale Entsprechung des radialen Lagerspiels und ein direktes Maß für die Qualität der axialen Lagerführung.

Im Unterschied zum radialen Rundlauffehler (der bei jeder Umdrehung sichtbar wird) äußert sich das Axialspiel als einmalige oder lastabhängige Verschiebung der Spindelnase in Z-Richtung.

Ursachen für Axialspiel

Lagerabnutzung: Mit zunehmender Betriebsdauer verschleißen Laufbahnen und Wälzkörper. Das interne Spiel der Lager wächst, was sich als messbares Axialspiel an der Spindelnase niederschlägt.

Verlust der Vorspannung: Schrägkugellager-Sätze werden mit definierter Vorspannung eingebaut. Wenn Vorspannelemente (Muttern, Distanzhülsen) sich setzen, lockern oder durch Wärmedehnung nachgeben, verringert sich die Vorspannung und das axiale Spiel kehrt zurück.

Passungsschäden: Wenn der Lagerinnenring auf der Welle oder der Außenring im Gehäuse Laufsitz (statt Festsitz) hat, kann das Lager unter Axialbelastung wandern.

Messung des Axialspiels

Die Messung erfolgt mit einer Messuhr (Auflösung 0,001 mm oder besser) und einem Magnetständer:

  1. Messuhr in Achsrichtung an der Spindelnase anlegen
  2. Axiale Druckkraft aufbringen (typisch definiert nach Maschinenrichtlinie oder Herstellervorgabe)
  3. Anzeigewert merken
  4. Axiale Zugkraft aufbringen (Richtungswechsel)
  5. Differenz = Axialspiel

Bei Präzisionsspindeln werden die Grenzwerte im Abnahmeprotokoll (nach VDI 3441 oder ISO 230) dokumentiert. Typische Grenzwerte liegen je nach Spindelklasse zwischen 1 und 10 µm.

Auswirkungen auf die Fertigungsqualität

Erhöhtes Axialspiel macht sich in mehreren Bearbeitungsoperationen direkt bemerkbar:

Axialspiel und Vorspannung

In einwandfrei eingestellten Spindeln ist das Axialspiel durch die Lagervorspannung auf praktisch null reduziert. Schrägkugellager übernehmen dabei sowohl die Radial- als auch die Axialführung. Die Vorspannung hält die Lager in konstantem Kontakt und verhindert jede freie axiale Bewegung der Welle.

Wenn das Axialspiel Ihrer Spindel den Grenzwert überschreitet oder Sie Tiefenfehler in der Bearbeitung beobachten, sollte eine Diagnose den Zustand klären. Eine Spindel-Diagnose identifiziert Lager- und Vorspannschäden, bevor daraus Folgeschäden an Gehäuse oder Welle entstehen.

Verwandte Begriffe

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