Glossar
Die Rundlaufgenauigkeit einer Spindel beschreibt, wie genau sich die tatsächliche Drehachse mit der geometrischen Sollachse deckt. Sie wird an der Spindelnase gemessen und gibt an, wie stark die Werkzeugaufnahme bei einer Umdrehung radial von der Idealposition abweicht.
Die Rundlaufgenauigkeit ist eine der zentralen Kenngrößen für Werkzeugmaschinenspindeln. Sie beschreibt, wie exakt die Spindel um ihre eigene Achse rotiert. In der Praxis dreht sich keine reale Spindel perfekt: Die Drehachse taumelt leicht, die Spindelnase beschreibt keine exakte Kreisbahn, sondern eine minimale Abweichung davon.
Diese Abweichung wird als TIR (Total Indicator Reading) oder als radialer Schlag angegeben, gemessen mit einer Messuhr oder einem kapazitiven Sensor direkt an der Spindelnase oder am eingewechselten Referenzdorn.
Bei instandgesetzten Spindeln für Bearbeitungszentren gilt ein Wert unter 2 µm als üblicher Zielbereich für die Rundlaufgenauigkeit an der Spindelnase. Für Schleif- und Hochfrequenzspindeln werden teils deutlich strengere Anforderungen gestellt.
Die genauen Anforderungen hängen von Maschinentyp, Bearbeitungsaufgabe und Werkzeugdurchmesser ab. Als Faustformel gilt: Je kleiner das Werkzeug und je höher die Drehzahl, desto kritischer wirkt sich eine schlechte Rundlaufgenauigkeit auf die Werkstückqualität aus.
Mehrere Faktoren bestimmen, wie gut die Rundlaufgenauigkeit einer Spindel ist:
Lagerqualität und Lagervorspannung: Wälzlager mit Formfehlern oder falscher Vorspannung sind die häufigste Ursache für erhöhten Rundlauffehler. Schrägkugellager für Präzisionsspindeln werden nach DIN-ISO-Lagerklassen (P4, P2) gefertigt, die sehr enge Toleranzen für Formfehler definieren.
Unwucht: Eine unwuchtige Spindel oder ein unwuchtiges Werkzeug erzeugt drehzahlabhängige Radialkräfte, die den Rundlauffehler erhöhen. Korrekt ausgewuchtete Spindeln (Wuchtgüte G2.5 oder besser) sind daher Voraussetzung für gute Rundlaufgenauigkeit.
Thermische Drift: Wärmedehnung im Betrieb verschiebt Lager und Spindelnase. Thermisch stabile Lagerung und korrekte Schmierung reduzieren diesen Einfluss.
Sitz der Werkzeugaufnahme: Auch ein einwandfreies Spindelgehäuse nützt wenig, wenn der Spindelkonus oder die HSK-Aufnahme Formfehler hat. Der Übergang von Spindel zu Werkzeug ist immer Teil der Rundlaufkette.
Die Messung der Rundlaufgenauigkeit erfolgt standardmäßig mit einem Präzisionsmessdorn (Toleranzklasse besser als die erwartete Spindelgenauigkeit) und einer Messuhr mit Auflösung von 1 µm oder besser, oder mit einem kapazitiven Sensor bei Messungen im Drehen.
Gemessen wird typischerweise an mehreren axialen Positionen, um zusätzlich Kippbewegungen der Spindelachse zu erfassen. Die Differenz zwischen Maximal- und Minimalwert über eine vollständige Umdrehung ergibt den TIR-Wert.
Bei einer Spindeldiagnose ist die Rundlaufgenauigkeit einer der ersten Prüfpunkte, weil sie Rückschlüsse auf Lagergesundheit, Unwucht und thermischen Zustand in einem einzigen Wert bündelt.
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