Glossar
Der Rundlauffehler (englisch: radial runout) ist die gemessene radiale Abweichung der Spindeldrehachse von der Sollachse über eine vollständige Umdrehung. Er ist das Gegenstück zur Rundlaufgenauigkeit: Je größer der Rundlauffehler, desto schlechter die Spindelpräzision.
Der Begriff Rundlauffehler beschreibt das Ausmaß, in dem eine Spindel von der idealen Kreisbahn abweicht. Dreht die Spindel, so sollte jeder Punkt auf ihrer Oberfläche eine perfekte Kreisbahn beschreiben. In der Realität taumelt die Drehachse leicht, und die tatsächlich gemessene Bahn weicht von der Sollbahn ab.
Diese Abweichung wird als TIR (Total Indicator Reading) in Mikrometern angegeben: die Differenz zwischen dem größten und kleinsten Ausschlag der Messuhr über eine vollständige Umdrehung.
Ein Rundlauffehler entsteht durch mehrere Mechanismen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
Lagerschaden: Beschädigte Laufbahnen oder defekte Wälzkörper erzeugen periodische Radialbewegungen der Spindelachse. Dies ist die häufigste Ursache bei plötzlich auftretendem Rundlauffehler.
Verschlissene Lagervorspannung: Lagerspiel, das durch Vorspannungsverlust entsteht, erlaubt unkontrollierte Radialbewegungen unter wechselnder Last. Der Rundlauffehler steigt schleichend an.
Unwucht: Eine unwuchtige Spindel erzeugt drehzahlabhängige Fliehkräfte, die die Spindelachse auslenken. Dieser Anteil am Rundlauffehler ist drehzahlabhängig und wächst quadratisch mit der Drehzahl.
Thermische Belastung: Ungleichmäßige Wärmedehnung der Spindel oder ihrer Lagerung verursacht eine Verkippung der Drehachse. Thermisch induzierter Rundlauffehler tritt typischerweise nach längerer Aufwärmphase auf.
Fehler im Spindelkonus: Formfehler am Kegelsitz der Werkzeugaufnahme addieren sich zum Spindelrundlauffehler.
Erhöhter Rundlauffehler hat direkte Konsequenzen für die Bearbeitungsqualität:
Bei rotierenden Werkzeugen (Fräser, Bohrer) führt Rundlauffehler dazu, dass nicht alle Schneiden gleichmäßig spanabheben. Einzelne Schneiden werden überbelastet, andere schneiden wenig oder gar nicht. Die Folge: erhöhter Werkzeugverschleiß, schlechtere Oberflächen, größere Maßabweichungen.
Bei Bohrungen macht sich Rundlauffehler als Aufweitung des Bohrungsdurchmessers bemerkbar. Der effektive Bohrungsdurchmesser ist größer als der Nenn-Werkzeugdurchmesser, weil das Werkzeug eine Kreisbahn mit dem Radius des Rundlauffehlers um die Sollachse beschreibt.
Bei Schleifspindeln ist die Toleranz besonders eng: Schon wenige Mikrometer Rundlauffehler sichtbar als Schleifriefen im Werkstück oder als Maßfehler bei der Endbearbeitung.
Ein zunehmender Rundlauffehler ist ein klares Warnsignal und sollte nicht ignoriert werden. Häufig lässt sich durch eine vollständige Spindeldiagnose feststellen, ob die Ursache im Lager, in der Unwucht oder im Spindelkonus liegt. Damit wird die wirtschaftlich sinnvollste Reparaturstrategie erkennbar, bevor ein Totalausfall die Produktion stoppt.
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