Glossar
Der Planlauf (englisch: axial runout oder face runout) beschreibt die axiale Abweichung einer planaren Referenzfläche der Spindel von der idealen Ebene senkrecht zur Drehachse. Er ist das axiale Pendant zum radialen Rundlauffehler und wird als Taumelbewegung der Stirnfläche oder Werkzeugaufnahme sichtbar.
Während der Rundlauffehler die radiale Bewegung der Spindeldrehachse beschreibt, erfasst der Planlauf die Taumelbewegung in axialer Richtung. Stellt man sich eine planare Fläche an der Spindelnase vor (zum Beispiel die Planfläche eines HSK-Flansches), sollte diese bei der Rotation eine exakt ebene Kreisbewegung vollführen. Weicht die Fläche dabei axial von der Idealebene ab, spricht man von Planlaufabweichung.
Gemessen wird der Planlauf durch eine axial angestellte Messuhr, deren Messtaster senkrecht zur Stirnfläche anliegt. Wie beim Rundlauffehler wird der TIR-Wert (Total Indicator Reading) über eine vollständige Umdrehung ermittelt.
Beide Begriffe beschreiben geometrische Abweichungen einer rotierenden Spindel, aber in unterschiedliche Richtungen:
| Kennwert | Richtung | Messtaster-Orientierung |
|---|---|---|
| Rundlauffehler | radial (senkrecht zur Achse) | radial angestellt |
| Planlauf | axial (parallel zur Achse) | axial angestellt |
In der Praxis treten Planlauf- und Rundlauffehler oft gemeinsam auf, weil beide auf dieselben Ursachen zurückgehen: Lagerschäden, Verkippung der Spindelachse und Formfehler in der Werkzeugaufnahme.
Axiallagerschaden: Lager, die die axiale Position der Spindel fixieren (Axialnadellager, entsprechend vorgespannte Schrägkugellager), können durch Pitting (Grübchenbildung) der Laufbahnen Planlaufabweichungen verursachen.
Verkippung der Drehachse: Wenn die Drehachse leicht kippt, entsteht sowohl radialer Rundlauffehler als auch Planlauf. Ein Lager, das an einer Lagerstelle stärker verschlissen ist als am gegenüberliegenden, erzeugt genau diesen Effekt.
Formfehler an der Auflagefläche: Kratzer, Eindrücke oder Verunreinigungen an der Planfläche der Werkzeugaufnahme addieren sich zum gemessenen Planlauf.
Thermische Asymmetrie: Ungleichmäßige Erwärmung der Spindel kann zu einer Verkippung der Drehachse führen, die sich als Planlauf bemerkbar macht.
Der Planlauf ist besonders relevant bei:
Planfräsen und Stirnflächenbearbeitung: Eine taumelnde Spindel erzeugt charakteristische Fräsbahnen auf planaren Werkstückoberflächen, die unter streiflicht sichtbar werden. Planlaufabweichungen im Bereich von wenigen Mikrometern sind bereits auf Schlichtzuschnitten erkennbar.
Gewindeschneiden und Bohren: Planlauf verursacht ungleichmäßigen Spanabnahme entlang der Werkzeugschneide und kann bei tiefen Bohrungen zu kegelförmiger Aufweitung führen.
Schleifoperationen: Bei Planschleifspindeln ist der Planlauf ein direktes Qualitätskriterium, weil er die Ebenheit der geschliffenen Fläche begrenzt.
Wächst der Planlauf einer Spindel im laufenden Betrieb, deutet das auf einen fortschreitenden Lagerschaden hin. Eine frühe Spindeldiagnose gibt Aufschluss über Ursache und notwendige Reparaturmaßnahmen.
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